Wie kann die Welternährung in Zukunft aussehen?

Zu einer nachhaltigen Welternährung der Zukunft haben sich mehrere Organisationen Gedanken gemacht. Schon im Jahr 2004 identifizierten die WHO, die FAO und die OIE, drei globale Gesundheits- und Ernährungsorganisationen, den steigenden Konsum von tierischen Proteinen als eine primäre Ursache für das Auftauchen neuer zoonotischer Viren, die insbesondere in den letzten Jahrzehnten für die meisten Epidemien und Pandemien verantwortlich waren.[1] Diese Organisationen empfahlen daher eine Änderung der Haltungsbedingungen: Weg von einer unhygienischen und unwürdigen Intensivtierhaltung hin zu einer artgerechten Haltung mit ausreichend Platz, Stressreduktion, weniger Antibiotika und besserer Pflege. Doch diese Form der Tiernutzung ist derzeit weder ökonomisch rentabel, noch könnte sie den Fleischhunger künftiger Generationen erfüllen. Von 1961 bis 2019 hat sich die weltweite Fleischproduktion in Millionen Tonnen Schlachtgewicht von 71,3 auf 335,2 fast verfünffacht.[2] Das konnte nicht ohne Auswirkungen für den Planeten bleiben: Wegen des erhöhten Landbedarfs für den Futteranbau musste der Mensch weiter in bisher unberührte Regionen und damit in die Lebensräume wilder Tiere vordringen.

Auf der Suche nach Proteinen und einer gesicherten Basis für die zukünftige Ernährung der Menschheit hat sich eine Reihe von Wegen herauskristallisiert:

  • “In-vitro-Fleisch”
  • Insektenbasierte Lebensmittel (Aus unserer Sicht ethisch nicht vertretbar.)
  • „Acellular Agriculture“, auch "Flora-Based-Protein" genannt: Aus organischen Molekülen wie (pflanzlichen) Proteinen, Fetten oder Zuckern werden mithilfe von Mikroben wie Hefen oder Bakterien Produkte hergestellt, die identisch mit den tierischen Pendants sind. Beispiele sind Milch und Eiklar. Sie können auf die gesundheitlichen Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten werden, die negativen Folgen für Tiere fallen weg und der Einfluss auf die Umwelt ist deutlich geringer. Die zugrundeliegenden Techniken sind nicht neu, so wird beispielsweise schon lange Vanillin hergestellt.[3] [4]

Der verstärkte Fokus auf eine pflanzenbasierte Ernährung ist eine ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Alternative zum Konsum tierischer Produkte. Eine gesunde, nachhaltige pflanzliche Ernährung ist auch heute schon ohne futuristische Alternativprodukte gut möglich:

  • Pflanzenbasierte Ernährung: Eine Ernährung die auf den fünf Lebensmittelgruppen der Hülsenfrüchte, Getreide und Pseudogetreide, Gemüse, Obst sowie Nüssen und Samen basiert, ist nicht nur gesundheitsförderlich und kann vielen Zivilisationskrankheiten vorbeugen und einige sogar heilen.[5] Sie kann auch kostengünstig und ganz nach dem eigenen Geschmack gestaltet werden.
  • Pflanzliche Alternativen: Wer den Geschmack tierischer Produkte nicht missen möchte, hat schon heute eine große Auswahl an pflanzlichen Alternativen, die alle Lebensmittelbereiche abdecken. Von Geschmack und Konsistenz sind sie zum Teil kaum noch vom Original zu unterscheiden. Das Ausprobieren verschiedener Varianten und Marken lohnt sich sehr.

Unter den Alternativprodukten für die tierischen Proteine sind die pflanzlichen die ressourcenschonendsten. Vor allem der Fokus auf die wenig verarbeiteten Versionen sowie der direkte Verzehr von unverarbeiteten pflanzlichen Produkten wie Hülsenfrüchten (Leguminosen) ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch der sinnvollste Weg.[6] Wir wissen, dass eine pflanzliche Ernährung im Vergleich deutlich weniger Frischwasser[7] und Land[8] benötigt und weniger Treibhausgase[9] [10] freisetzt, als die bei der Mehrheit heute noch übliche Mischkost. Wer in Deutschland vegan lebt, spart allein über die Ernährung ca. 2 Tonnen CO2 pro Jahr ein.[11] [12]

Dass sich pflanzliche Nahrung auch ohne Tierhaltung nachhaltig und umweltschonend anbauen lässt, zeigen Pionierbetriebe in mehreren Ländern schon heute.[13][14] Die Nährstoffkreisläufe werden dabei nicht durch das Ausbringen tierischer Exkremente geschlossen, sondern mit Gründüngung und Kompost.[15] Auf internationaler Ebene hat sich dafür das "International Biocyclic Vegan Network" zusammengeschlossen.

Können wir durch eine andere Art der Ernährung Pandemien verhindern?

Die Entstehung von Viren und Bakterien, die Epidemien und Pandemien verursachen können, ist Teil natürlicher Prozesse[16] und kann nicht komplett verhindert werden. Jedoch kann das Risiko der Entstehung neuer und aggressiverer Erreger, wie sie beispielsweise in der intensiven Tierhaltung entstehen können, minimiert werden. Ebenso kann die Wahrscheinlichkeit des Überspringens artfremder Erreger auf den Menschen (und auf andere Tiere) deutlich reduziert werden.

Die aktuelle Situation durch die Covid-19-Pandemie, in Kombination mit einem Blick auf die geschichtliche Entwicklung der Zoonosen, führt uns gnadenlos vor Augen, dass uns die Art und Weise, wie wir mit der Umwelt und unseren Mitgeschöpfen umgehen, selbst zum Verhängnis wird. Die konstante Zerstörung der Umwelt zur Produktion unserer Nahrungsmittel und Güter sowie die grausame Ausbeutung von Tieren zur Befriedigung unseres Bedarfs an tierischen Lebensmitteln und Produkten wie Pelz, müssen endlich aufhören. Letztendlich zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlage und machen diesen Planeten zu einem gefährlicheren Ort für uns und die Tierwelt. Dieser Planet, die Pflanzen und (Wild-)Tiere kommen bestens ohne uns zurecht. Wir jedoch nicht ohne sie. Wir haben es selbst in der Hand. Jeder und jede Einzelne für sich und wir alle zusammen als Gesellschaft.

Wie sieht es mit Biofleisch oder teureren Produkten aus?

Welche Unterstützung gibt es bei der Umstellung der Ernährung?

Welche Risiken birgt der Konsum von Rohmilch?

Was passiert mit den Landwirten? Wovon sollen sie leben?


  • So vegan wird die Zukunft. Beate Förster interviewt Kurt Schmidinger (von futurefood.org); 2017 (Vegan für mich)
  • Future Food: Präsentation aktuell möglicher Alternativen zu tierischem Protein.
  • Dossier: Die Welternährung der Zukunft. Niko Rittenau; 2020 (Vegan für mich 4. 2020)
  • Lösungen zur Welternährung in 2050. Niko Rittenau; 2019 (TEDx München):
  • Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. Ökologischer Anbau in Kreislaufwirtschaft ohne landwirtschaftliche Tierhaltung.
  • Vegan Organic Food Production: How to Go Beyond Animal Agriculture. Daniel Mettke; 09.09.2017 (International Animal Rights Conference):
  • Was ist bio-vegane Landwirtschaft? Ist das praktikabel? Mic the Vegan; 06.05.2016:

Quellen:


  1. Report of the WHO/FAO/OIEjoint consultation on emerging zoonotic diseases. WHO, FAO, OIE; 2004 ↩︎

  2. Der Fleischhunger der Welt. Matthias Janson; 10.06.2020 ↩︎

  3. What is Cellular Agriculture. New Harvest; 2020 ↩︎

  4. Die Welternährung der Zukunft. Niko Rittenau; 04. 2020 (Vegan für mich) ↩︎

  5. How Not To Die. Dr. Michael Greger, Gene Stone; 2016 (Buch - in vielen verschiedenen Ländern und Sprachen erhältlich, auch auf Deutsch) ↩︎

  6. Die Zukunft im Blick: Fleisch der Zukunft
    Trendbericht zur Abschätzung der Umweltwirkungen von pflanzlichen Fleischersatzprodukten, essbaren Insekten und In-vitro-Fleisch. Umwelt Bundesamt; 08.2019, erschienen 06.2020 (PDF, S. 105/106)
    ↩︎

  7. Fleischesser emittieren für zweieinhalb. Klimareporter; 04.07 2014 ↩︎

  8. Carrying capacity of U.S. agricultural land: Ten diet scenarios. Christian J. Peters et al. 2016 (Elem Sci Anth, 4, p.000116) ↩︎

  9. Klimaneutral leben im Alltag. Umweltbundesamt; 20.09. 2019 ↩︎

  10. Online Umweltfußabdruck/CO2-Rechner ↩︎

  11. Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers, J. Poore and T. Nemecek; 01.06. 2018 (Science) ↩︎

  12. Jeder Veganer spart jährlich zwei Tonnen an Treibhausgasen (Interview mit Joseph Poore). Ann-Kathrin Nezik; 26.04.2019 (Der Spiegel) ↩︎

  13. Certified Stockfree-Organic - U.K.; 2008 (goveganic.net) ↩︎

  14. Das International Biocyclic Vegan Network ↩︎

  15. Häufig gestellte Fragen. Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e. V. ↩︎

  16. Wie Viren die Evolution des Menschen beflügelten. Henning Engeln; 08.04.2020 (Riffreporter) ↩︎