Corona vs. Grippe

Während der derzeitigen COVID-19-Pandemie wird – und wurde vor allem zu Beginn – gerne der Vergleich zur „normalen“ Grippe angestellt, wie: “Corona ist doch nur eine ganz normale Grippe” und “an einer normalen Grippe sterben viel mehr Menschen.”

Abgesehen davon, dass solche Vergleiche - gerade zu einem frühzeitigen Zeitpunkt einer Pandemie - sehr fraglich und wenig aussagekräftig sind, bleibt die Frage, was wir aus diesen Vergleichen schließen können. In der Regel sollen sie aussagen, dass Corona gar nicht so schlimm sei. Ist das tatsächlich der einzige Rückschluss, der aus diesen Vergleichen  gezogen werden kann? Oder sollten wir uns die Grippe einmal genauer ansehen? Stellt die Grippe vielleicht sogar eine weithin unterschätzte Gefahr dar?


Influenza

Woher kommt eigentlich die Grippe? Ist sie eine unterschätzte Gefahr?


Corona

Welche Pandemien wurden durch Coronaviren ausgelöst?


Was haben Influenza- und Coronaviren gemeinsam? (Was sind RNA-Viren?)

Influenza- und Coronaviren gehören, genauso wie das Zika- und das Ebolavirus, zu den RNA-Viren: Das Erbgut besteht aus RNA, die mithilfe der Wirtszelle zur Vermehrung kopiert wird. Während dieses Kopiervorgangs kommt es häufig zu Fehlern und so entstehen viele leicht veränderte Nachkommen. Aus einer einzigen infizierten Zelle können innerhalb von 10-16 Stunden tausende neuer Viren entstehen, die im Durchschnitt jeweils 3 Mutationen in sich tragen. Einige dieser Mutationen sind für das Virus nachteilig, andere sind von Vorteil und sorgen für eine bessere Anpassung des Virus an neue Umstände. Wie beispielsweise beim Sprung auf eine neue Tierart, nach dem das Virus sich plötzlich unter ganz neuen Bedingungen wiederfindet.
Führen wir uns nun vor Augen wie viele neue und gegebenenfalls mutierte Viren aus einer einzigen infizierten Zelle entstehen und bedenken, dass in der Tierhaltung zumeist tausende oder gar zehntausende Tiere in einem Stall gehalten werden, wird deutlich, welches Potenzial sich den Viren hier bietet.

Zusammengefasst haben die RNA-Viren eine besonders hohe Mutationsrate und können sich somit besonders gut an neue Gegebenheiten anpassen.[1] [2]
Aufgrund der häufigen Mutationen können Impfstoffe und Medikamente schnell ihre Wirkung verlieren. Dies erfordert die Entwicklung immer neuer wirksamer Impfstoffe und Medikamente. Dies kennen wir von der Grippeschutzimpfung: Auf Basis von Prognosen bzw. Vermutungen müssen jedes Jahr neue Impfstoffe gegen Influenzaviren entwickelt werden.[3] [4]
Solche Anpassungen und Neuentwicklungen rentieren sich unter Umständen für die Pharmaindustrie nicht. Dies können wir seit Jahren auf einem anderen Gebiet beobachten: Bei der Entwicklung von Antibiotika lohnt die Investition meist nicht mehr und so wurden in letzter Zeit kaum neue Wirkstoffe entwickelt. Viele Firmen zogen sich aus dem Geschäft zurück oder mussten Insolvenz anmelden.[5]

Quellen:


  1. Corona-Pandemie: »Viren gedeihen auch in unseren Ställen«. Dieter de Cleene; 2020 (Spektrum.de) ↩︎

  2. How to Survive a Pandemic. Michael Greger, M.D., FACLM; 2020 (Buch, engl.) ↩︎

  3. Influenza: Wie wird ein Grippe-Impfstoff entwickelt? (Bundesministerium für Gesundheit) ↩︎

  4. Impfstoffe - Neue Entwicklungen: Grippe - schnelle Produktion (NetDoktor) ↩︎

  5. Eine Katastrophe mit Ansage. Christian Baars, Oda Lambrecht / NDR; 09.2019 (tagesschau.de) ↩︎