Welche Alternativen zu Tierversuchen gibt es?

Es gibt eine Reihe von Methoden, Tierversuche zu ersetzen. Eine davon ist die Arbeit mit menschlichen Zellen, die teilweise über Jahre kultiviert werden können. So stehen schon heute dreidimensionale Nachbildungen von unter anderem Haut-, Leber und Herzgewebe zur Verfügung, an denen physiologische Vorgänge beobachtet werden können.[1]

Aus menschlichen Haut- oder Haarwurzelzellen können darüber hinaus Miniorgane gezüchtet werden. Dafür werden die Zellen in sogenannte “induzierte pluripotente Stammzellen” umprogrammiert, aus denen sich jeder Zelltyp entwickeln kann. Die nur wenige Millimeter großen Miniorgane (Organoide) können auf kleinen Kunststoff-Chips aufgebracht und an ihnen die Wirkung verschiedener Substanzen (z. B. Medikamente) getestet werden. Selbst die Kombination verschiedener Miniorgane auf einem sogenannten Multi-Organ-Chip, zu einer Art „künstlichem Organismus“ im Miniaturformat, ist möglich. Werden dazu einer bestimmten erkrankten Person wenige Zellen entnommen, kann daraus solch ein Organ-Chip zusammengestellt werden. So wird praktisch eine maßgeschneiderte medizinische Behandlung möglich.

Der „3-D-Biodruck“ ist eine Möglichkeit, lebensecht Gewebestrukturen und sogar Organe über ein dreidimensionales Druckverfahren nachzubilden. Dabei werden menschliche Zellen, Wachstumshormone und weitere Biomaterialien verwendet.[2]

Auch Computersimulationen und künstliche Intelligenz sind inzwischen so weit entwickelt, dass sie schon im Vorfeld teils zuverlässiger als Tierversuche eine giftige Wirkung von Stoffen im Menschen vorhersagen können. Dafür greifen sie auf Datenbanken mit bekannten Substanzen zurück und gleichen damit die molekulare Struktur einer neuen Substanz ab. Computer können im Fachbereich der Immunoinformatik ebenso neue Impfstoffe mit hoher potentieller Wirksamkeit vor der eigentlichen Herstellung modellieren, sodass die Anzahl der Substanzen, die überhaupt getestet werden müssen, geringer ist.[3]

Beim sogenannten „Microdosing“ wird Freiwilligen eine extrem kleine Menge eines Stoffes verabreicht und der Weg durch den Organismus sowie der Abbauprozess mit empfindlichen Analysemethoden verfolgt. Durch die geringe Konzentration besteht für die Person keine Gefahr. Trotzdem können die Informationen darüber, was mit der Substanz im menschlichen Körper passiert, viel darüber aussagen, was eine höhere Dosis bewirken würde.

Bevölkerungsstudien sind nicht neu, doch sie liefern wichtige Erkenntnisse über die Entstehung von menschlichen Erkrankungen. So konnten bereits im 19. Jahrhundert die Ursachen für Seuchenausbrüche aufgedeckt und Vorbeugung betrieben werden. Aus solchen frühen Beobachtungen entwickelte sich die Epidemiologie.[4]

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die vielversprechenden Alternativen zu Tierversuchen. Es gibt darüber hinaus sehr viel mehr tierversuchsfreie Verfahren und Technologien, mehr und detailliertere Informationen über die Optionen, Tierversuche zu vermeiden, findet ihr auf der Website der Ärzte gegen Tierversuche (s. u.).

Es ist faszinierend, was heute schon möglich ist. Damit diese Methoden die herkömmlichen, auf Tierversuchen basierenden Methoden im großen Stil ablösen können, ist jedoch weitere Forschung und Förderung nötig. Nicht einmal 1% der Forschungsgelder fließt aktuell (2022) in tierversuchsfreie Methoden.

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Quellen:


  1. Database Analysis More Reliable Than Animal Testing For Toxic Chemicals. Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health; 19.07.2018 (publichealth.jhu.edu) ↩︎

  2. „Alternativmethoden“ zu Tierversuchen. Dipl. Biol. Silke Strittmatter, Dr. med. vet. Corina Gericke, 15.02.2021 (Ärzte gegen Tierversuche e.V.) ↩︎

  3. Database Analysis More Reliable Than Animal Testing For Toxic Chemicals. Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health; 19.07.2018 (publichealth.jhu.edu) ↩︎

  4. „Alternativmethoden“ zu Tierversuchen. Dipl. Biol. Silke Strittmatter, Dr. med. vet. Corina Gericke, 15.02.2021 (Ärzte gegen Tierversuche e.V.) ↩︎