Wo haben besonders gefährliche Erreger ihren Ursprung?

Beispiele:

Erreger: SARS-CoV-1 / SARS-CoV-2
Sprung auf den Menschen: 2002 / 2019
Letalität ("Tödlichkeit"): 10% (ca. 800 von 8.000 Infizierten) / noch unklar

Ursache:
Fleisch und tierische Produkte gelten als Statussymbol und so führen hohe Bevölkerungszahlen und steigender Wohlstand zu einer steigenden Nachfrage nach Fleisch aber auch anderen tierischen Produkten, wie Medizinprodukten oder Pelz. Um diesen Bedarf zu decken, werden Wildtiere verstärkt gejagt und gezüchtet. Durch den Transport und den Handel auf Märkten treffen viele unterschiedliche Tiere aufeinander, was widerum die Übertragung und Vermischung von Virenstämmen begünstigt. Sowohl die Zucht, der Transport, als auch der Handel und Kauf schaffen einen engen Kontakt zwischen Menschen und Tieren, bei dem Viren vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden können, und zwar auch mehrfach, wobei jeweils eine Anpassung an den neuen Wirt stattfinden kann.


Erreger: MERS-CoV
Sprung auf den Menschen: 2012
Letalität: 34% (ca. 850 von 2.500 Infizierten)

Ursache:
Auch im Fall des MERS-Coronavirus führte steigender Wohlstand zu einer erhöhten Nachfrage nach tierischen Produkten und dem "Sport" mit Dromedaren als Statussymbol. Der steigende Bedarf an Dromedaren verstärkte die Zucht und intensive Haltung der Tiere, was wiederum zu einem engen Kontakt zwischen Menschen und Tieren führte, mit den daraus folgenden Risiken. Der Transport der Tiere über Ländergrenzen hinweg ermöglichte die Rekombination verschiedener Virusstämme sowie deren Ausbreitung.


Erreger: Hochpathogene Varianten der Vogelgrippeviren
Sprung auf den Menschen: 1997
Letalität: unterschiedlich

Ursache:
Durch steigenden Wohlstand bei gleichzeitig günstiger werdenden Preisen können sich immer mehr Menschen immer größere Mengen Fleisch und andere tierische Produkte leisten. Die industrielle Geflügelproduktion ist heute die größte Quelle für neu entstehende Erreger wie H5N1 und andere Vogelgrippeviren, die weltweit Menschen infizieren. An H7N9 starben beispielsweise etwa 600 der ersten 1.500 infizierten Menschen, was einer Sterblichkeitsrate von 40% entspricht. Der Transport zwischen den Produktionsstätten (Zucht, Aufzucht, Mast, Schlachtung) und zu Lebendtiermärkten und Hahnenkämpfen sowie der dortige Kontakt mit fremden Tieren führt zur Rekombination und Verbreitung verschiedener Virusstämme. Dies ließ sich 2009 an einem (Schweine-)Grippe-Virus nachweisen, bei dem Anteile von Influenza-Viren aus Schweinen, Vögeln und Menschen gefunden wurden.[1] Schweine dienen als "Mischbehälter" für Influenza-Viren und deren Intensivhaltung damit als Quelle für neu entstehende Erreger.

Warum tauchen zoonotische Erkrankungen erst in der jüngsten Geschichte so gehäuft auf?

Alle diese oben aufgeführten Erkrankungen bzw. Erreger sind erst in der jüngsten Vergangenheit aufgetaucht, und es beschränkt sich nicht nur auf Influenza- und Coronaviren. Das alles trifft auch auf weitere Virusarten zu, wie beispielsweise das Nipah-Virus, das ebenfalls eine besonders hohe Letalität aufweist (40 bis 75%).

Zusammengefasst steigt die Anzahl an Tieren, die für unseren Konsum gehalten und genutzt werden und damit einhergehend die Intensivierung der Tierindustrie. Verstärkte Transporte und Handel in immer größerem Ausmaß kommen hinzu. Dafür dringen wir gleichzeitig immer weiter in den Lebensraum der Wildtiere ein, angetrieben durch die steigende Nachfrage nach tierischen Produkten.

Warum steigt die Nachfrage nach tierischen Produkten?

Steigende Bevölkerungszahlen in Kombination mit steigendem Wohlstand führen zu einer steigenden Nachfrage nach tierischen Produkten, weil diese traditionell als erstrebenswert, natürlich, normal und notwendig gelten.[2] Es wird ganz offensichtlich Zeit, diese Einstellung zu hinterfragen. Denn noch nie lebten so viele Menschen auf diesem Planeten und noch nie waren die Lebensbedingungen in weiten Teilen der Welt so gut wie heute. Nie zuvor verbrauchte die Menschheit so viele Ressourcen und so viel Landfläche. Nie zuvor wurden weltweit so viele Tiere für den menschlichen Konsum gehalten: Jährlich werden über 70 Milliarden Landtiere[3] und 130 Millionen Tonnen Meerestiere geschlachtet.[4] Wir sind heute nicht mehr auf den Konsum tierischer Produkte angewiesen. Stattdessen verschärft er inzwischen eine ganze Reihe von Problemen und ist ein starker Einflussfaktor für die größten Herausforderungen unserer Zeit.

“Wenn immer möglich - behandle die Ursache.” Dr. Michael Greger (Übers. aus dem Englischen.)

Herausforderungen unserer Zeit

Die Nachfrage nach tierischen Produkten ist ein wesentlicher Einflussfaktor für:

  • das vermehrte Auftauchen zoonotischer Erreger, die Epidemien und Pandemien auslösen können
  • die Entstehung und Verbreitung multiresistenter Keime
  • den Klimawandel (begünstigt wiederum Pandemien)
  • das Artensterben und den Verlust der Diversität (Flora und Fauna) (begünstigt ebenfalls Pandemien)
  • Umweltzerstörung (begünstigt Pandemien)
  • das vermehrte Auftreten von Zivilisationskrankheiten, bei denen die Ernährung ein wichtiger Faktor ist. (Solche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei Infektionskrankheiten wie COVID-19.)

Welche weiteren Faktoren begünstigen die Entstehung von Zoonosen?

Wie können wir zukünftigen Pandemien vorbeugen?

Quellen:


  1. Entstehung des Schweinegrippe-Virus durch Massentierhaltung begünstigt. Internisten im Netz; 2009 ↩︎

  2. Karnismus-Forscherin Joy: "Bio-Fleisch ist ein Mythos". Dr. Melanie Joy, Felix Brumm; 2013 (Spiegel / enorm) ↩︎

  3. Global Animal Slaughter Statistics And Charts. Bas Sanders; 2018 (faunalytics) ↩︎

  4. Überfischung: Wir essen die Weltmeere leer. Christian Honey; 2016 (zeit.de) ↩︎