Wie entstanden die Masern?

Die Masern sind eng mit dem Rinderpestvirus verwandt, das Rinder, Schafe und Ziegen infizierte. Seit wann das Masernvirus unter Menschen verbreitet ist, war lange unklar. 2020 ergab eine Studie folgendes: Das Masernvirus wich im 6. Jahrhundert v. Chr vom Rinderpestvirus ab. Zu einer Zeit, in der in Europa und Asien Großsiedlungen entstanden und sich miteinander verbanden. Damit wurde es dem Masernvirus möglich, sich dauerhaft in der Bevölkerung zu halten. Die Forschenden gehen davon aus, dass Vorgänger des heutigen Masernvirus schon in der frühen Antike im Vieh zirukulierten. Damals schon könnten Varianten auf Menschen übergesprungen, aber aufgrund der zu geringen Bevölkerungsdichte wieder verschwunden sein. Viele Seuchen seit der Antike könnten somit durch Masernviren verursacht worden sein. [1] [2] [3]

Es wird davon ausgegangen, dass der Ursprung des heutigen Masernvirus im fruchtbaren Gebiet des Nahen Ostens liegt. Es ist eines der ersten Gebiete, in dem die Tierhaltung entwickelt wurde. Durch die Tierhaltung entstanden Bedingungen, die immer wieder Sprünge des Vorgängervirus der Masern von domestizierten Herdentieren auf den Menschen ermöglichten - und die Anpassung des Virus an diesen neuen Wirt. Vermutlich wurde das Virus zunächst nur von Tier zu Mensch übertragen. Mit der Zeit passte es sich besser an den Menschen an und konnte schließlich von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zunächst vermutlich nicht sehr effizient, was nur kurze Ausbrüche verursachen würde. Mit der Zeit wurde das Masernvirus für Menschen immer ansteckender und es breitete sich in ganz Europa und Asien aus. Heute ist es es eines der ansteckendsten menschliche Viren. Es ist so gut auf den Menschen spezialisiert, dass es die ursprünglichen tierischen Wirte nicht mehr infizieren kann. Menschen übertrugen allerdings das Masernvirus auf Berggorillas.

Das Rinderpestvirus hatte sich mit der Zeit an seine Wirtstiere angebasst und infizierte Menschen nicht ohne weiteres, war aber für Rinder extrem gefährlich - und damit auch für Menschen, die von der Rinderzucht abhängig waren. Nach der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Rinderpestvirus, wurde ein weltweites Ausrottungsprogramm gestartet. 2001 wurde der letzte Fall in Kenia bestätigt und 2011 die Rinderpest schließlich als ausgerottet erklärt. Es ist damit, nach den menschlichen Pocken, erst die zweite Erkrankung, bei der dies gelang.[4]

Wie kamen die Forschenden darauf, dass das Masernvirus im 6. Jahrhundert v. Chr vom Rinderpestvirus abwich?

Im Jahr 1912 war jemand infolge einer Maserninfektion verstorben. Die Lunge wurde damals konserviert und blieb so, inklusive der Masernviren, der Nachwelt erhalten. Es handelt sich um die ältesten bisher bekannten, erhaltenen Masernviren. Über 100 Jahre später, untersuchten und verglichen Forschende diese Viren und das Erbgutes einer Vielzahl von Masernvirus-Isolaten, Rinderpestviren und einem weiteren eng verwandten Tierseuchenvirus (PPRV). Aufgrund der Mutationsrate kamen sie zu dem Schluss, dass das Masernvirus im 6. Jahrhundert v. Chr vom Rinderpestvirus abwich. [5]

Ist die Eliminierung der Masern möglich?

Die Masern gehören zu den ansteckendsten menschlichen Infektionskrankheiten. Es kommt zudem vergleichsweise häufig zu Komplikationen und Folgeerkrankungen. Die WHO verfolgt daher seit 1984 das Ziel, die Masern (und seit 2005 auch die Röteln) in Europa zu eliminieren.[6] Dieses Ziel soll mithilfe von Impfprogrammen in den 53 Mitgliedsstaaten der Europäischen Region erreicht werden und so gibt es auch in Deutschland entsprechende Impfempfehlungen. Modellierungen, Ausbruchsuntersuchungen und weitere Daten weisen darauf hin, dass die Zirkulation der Masern gestoppt werden kann, wenn mindestens 95% der Bevölkerung vor dieser Erkrankung geschützt sind. Die Impfung hat sich als effektiv und nebenwirkungsarm herausgestellt, in einigen Ländern konnten die Masern mit ihrer Hilfe schon eliminiert werden. Der Impfschutz hält möglicherweise ein Leben lang.

Hat eine Mutter eine Maserninfektion durchgemacht, überträgt sich ein gewisser Schutz in der Regel auch auf ihr Kind. Bei Kindern deren Mütter die Masernerkrankung nicht durchgemacht haben, ist die sogenannte Leihimmunität geringer oder gar nicht vorhanden: Bei Neugeborenen geimpfter Mütter sind die Antikörperspiegel geringer. Müttern die weder geimpft noch infiziert waren, fehlt die Immunit komplett und sie kann somit auch nicht an das Kind weitergegeben werden.[7] [8] [9]

Sollte das Ziel der Elimination der Masern in Europa erreicht werden, könnten die Masern immer wieder aus anderen Regionen eingeschleppt werden, in denen sie weiterhin zirkulieren. Da Menschen das Virus auf Berggorillas übertragen haben, sollten wir auch mit der umgekehrten Übertragung, von Berggorillas (und möglicherweise weiteren Arten) zurück auf den Menschen, rechnen. Da kommende Generationen dem Virus sonst relativ schutzlos ausgeliefert wären, wird uns die Masern-Impfung von Kindern möglicherweise noch lange begleiten. Ansonsten wäre in Zukunft ein ähnliches Szenario denkbar, wie wir es zur Zeit bei den Affenpocken erleben. Allerdings sind die Masern sehr viel ansteckender als die Affenpocken.

Quellen:

  1. Research into origins of measles provides insight for dealing with current, future pandemics. Brad Smith; 18.06.2020 (UCLA Fielding School of Public Health) ↩︎

  2. Masern entstanden schon vor 2500 Jahren. Wissenschaft.de; 19.06.2020 (wissenschaft.de) ↩︎

  3. Measles virus and rinderpest virus divergence dated to the sixth century BCE. Ariane Düx, Sebastian Lequime, Livia Victoria Patrono et al.; 19.06.2020 (Science) ↩︎

  4. The Origin and Natural History of Measles Virus. Leonard Norkin; 18.03.2015 (norkinvirology) ↩︎

  5. Masern entstanden schon vor 2500 Jahren. Wissenschaft.de; 19.06.2020 (wissenschaft.de) ↩︎

  6. Elimination der Masern und Röteln in Europa. Robert Koch Institut. Stand 23. 08 2021 (rki.de) ↩︎

  7. Epidemiologisches Bulletin Nr. 32 (Impfung gegen Masern). Robert Koch Institut; 16.08.2010 (rki.de) ↩︎

  8. Epidemiologisches
    Bulletin 02.2020. Empfehlung und wissenschaftliche
    Begründung für die Angleichung der
    beruflich indizierten Masern-Mumps-
    Röteln-(MMR-) und Varizellen-Impfung. Robert Koch Institut; 09.01.2020 (rki.de)
    ↩︎

  9. Schutzimpfung gegen Masern. Robert Koch Institut (rki.de) ↩︎